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Raimund Girke Biografie

Geboren : 28.10.1930 in Heinzendorf
Gestorben: 12.06.2002 in Köln


Der Purismus der monochromen Malerei wurde vor gut zwei Jahrzehnten aufgegeben: auf großdimensioniertem Leinwandformat und auf Aquarellbütten fand eine schwungvoll orchestrierte Inszenierung von Blau statt, der Farbe, die bereits einige kubistisch gebaute Landschaften des Meistermann-Schülers in den 1950er Jahren in Düsseldorf facettenartig rhythmisierte. Seine erste Einzelausstellung hatte er 1958 in der hannoverschen Galerie Seide, ein Jahr darauf erhielt Girke den Preis der Stadt Wolfsburg für Malerei. In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre war er Dozent an der Werkkunstschule Hannover, seit 1971 bis zur Emeritierung Professor an der Hochschule der Künste Berlin. Jenes Jahrzehnt war auch die Zeit der Grautöne, der jalousieartigen Modulationen und der Dämmerräume, des introvertierten Schattenspiels. 

Mehrfach wechselte Girke die Malmittel: bevorzugte er für die frühen Spachtelkolonnen Öl und Kunstharz, ebenso häufig auch Mischtechniken, so gab es zwischenzeitlich, unterstützt von Klebeband und Spritzpistole, eine Serie perfekt abgezirkelter Lichtzonen in Acryl, gefolgt in den siebziger Jahren von der äußerst empfindlichen Ei-Öl-Emulsion für die breitbahnigen, horizontal angelegten „Grey Changing“-Leinwände, um schließlich als klassische Ölmalerei auf großem Format die Apotheose des Blaus vor Augen zu führen. 

In den letzten zwei Jahrzehnten begleiteten als Zweitstimme wunderbar schwebende Aquarelle den Hauptstrom der Gemälde, die eine gewisse Affinität zum duff atmenden Kolorismus seines Weggefährten Gotthart Graubner haben. 

Dieses zwischen die Pole von früher pastoser Zellenstruktur und meisterlicher Leichtigkeit der späten Wasserfarbenblätter gespannte Oeuvre zählt zu den stringentesten und konsequentesten der deutschen Malerei zwischen Informel und Konzeptkunst.