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Wie Grafik-Editionen entstehen.

Unser Lexikon grafischer Techniken und Begriffe.

Auflage/Edition



Als Auflage bezeichnet man alle für den Handel bestimmten Exemplare einer Edition. Hierbei kann es sich um Radierungen, Lithographien sowie allen weiteren druckgrafischen  Verfahren, aber auch Skulpturen handeln.
 Die Höhe der Auflage wird auf jedem Blatt beziehungsweise Objekt der Auflage vermerkt.

Dies geschieht meist in der Form 2 / 30 oder II / XXX. Die Auflagenhöhe beträgt in diesem Fall 30 Exemplare, das so bezeichnete ist das Exemplar 2. Die Bezeichnung, also zum Beispiel Exemplar 2, bedeutet jedoch auf Grund der unterschiedlichen Trocknungsprozesse nicht zwangsläufig, dass es auch tatsächlich als 2. Exemplar gedruckt bzw. gegossen wurde, sondern lediglich als zweites Exemplar dem Künstler für die Signierung vorgelegt wurde. Die Auflagenhöhe hängt von der Entscheidung des Künstlers und seines Verlegers, beziehungsweise Händlers ab.


Außerhalb der Auflage gibt es meistens noch weitere Exemplare die als »E.A.« (franz. »epreuves d artiste« – Künstlerexemplar) beziehungsweise »H.C.« (franz. »hors commerce« – außerhalb des Handels) Exemplare gekennzeichnet sind. 
Weiterhin gibt es auch die Bezeichnung "Probe", "Zustand" oder ähnliches. Diese Exemplare sind in aller Regel nicht für den Handel bestimmt, sondern verbleiben im Archiv  des Künstlers oder Verlegers. Nachdem alle Exemplare der Auflage gedruckt bzw. gegossen worden sind,
werden die Platten unbrauchbar gemacht und die Gussmodelle zerstört.



Aquagravure



Die seit dem Ende des 20. Jahrhunderts existierende Aquagravure-Technik ist als Grafik ähnlich wie die Carborundum-Radierung reliefartig mit starken Erhöhungen ausgestattet, aber in der Produktion mit einem anderen Ablauf versehen: Der Künstler schafft ein Relief aus z.B. Wachsknete, von dem ein Silikon-Negativ gegossen wird, in welches dann das Papiermache gedrückt wird und anschließend individuell bemalt wird. Balkenhol, Bogart, Corneille, Kleemann, Schwarzer und Waydelich gehören zu den Künstlern, die eindrucksvolle Kunstwerke mit dieser Technik geschaffen haben.


Aquatinta (ital.: gefärbtes Wasser)

Auch Pinsel- oder Tuschmanier. Tiefdruckverfahren zur Erzeugung von flächigen Farbeffekten. Die Druckform wird dabei mit säurefreiem Asphalt- oder Kolophoniumstaub bedeckt und anschließend von unten erhitzt. Die Pulverpartikel verschmelzen mit der Druckform und bilden eine Art Deck- bzw. Lackschicht. Es folgt die Ätzung an den Stellen, wo die Deckschicht durch eine Malerei mit z.B. Zuckerwasser aufgebrochen worden ist. Die Aquatinta-Technik wurde 1768 von Jean Baptiste Le Prince erfunden und von Künstlern wie Goya, Miro, Spare und Penck intensiv genutzt.


Carborundum

Spezielles Verfahren zur Erzeugung stark geprägter Farbflächen. Kombination aus Radierung und Prägedruck. Auf einer Radierplatte werden bestimmte Stellen der Druckplatte mit einer Mischung aus z.B. Carborundum (Schleifsand für Lithosteine) und Marmormehl bedeckt. Anschließend wird die Platte erhitzt, die aufgetragene Masse schmilzt und verbindet sich fest mit der Platte. Beim Druck hinterlassen die so beschichteten, erhabenen Stellen Prägungen auf dem Papier.

Zur Carborundum-Radierung gehört ein sehr frischer, leuchtender Farbeindruck, da alle verwendeten Farben für jeden Abzug auf die einzige verwendete Platte immer wieder neu aufgetragen werden. Erfunden circa 1935 von Henri Goetz und weiter entwickelt von Miro und Corneille wird die Carborundum-Radierung heute von Tormi, Alt, Dodsworth und vielen französischen Künstlern verwendet.

Digitaldruck/Giclee
auch Iris, Giclée oder Tintenstrahldruck genannt

Digital Fine Art Print ist der Oberbegriff für die unterschiedlichen Möglichkeiten des künstlerischen Digitaldrucks. Dieser Druck ist feuchtigkeitsempfindlicher als ein Aquarell. Allerdings ist keine spezielle Beschichtung notwendig, da die Farbe in das Papier eindringt. Vorraussetzung für ein gutes Giclée ist ein sehr hohe Auflösung des digitalisierten Bildes. Die Bearbeitung  kann sehr gut in Giclée-Studios vorgenommen werden. Mittels eines rasterlosen Iris-Druckers lassen sich auf unterschiedlichsten Papierqualitäten sowie auf Leinwänden Giclées ausdrucken; der Künstler kann jederzeit am Bildschirm die Figuren oder Farbflächen verändern und Kleinstauflagen realisieren.

Seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts arbeiten viele amerikanische Künstler, z.B. Christo mit dem Digitaldruck; Künstler in Deutschland sind Rasch, Scholz und Treichel, sowie Norbert Tadeusz, der den Digitaldruck als Grundlage für Übermalungen zu benutzt.


Heliogravüre (griech.: helios = Sonne)


Tiefdruckverfahren zur hochwertigen Bildreproduktion auf fotografischer Grundlage. Von einer Bildvorlage wird ein rasterloses Halbtonnegativ und davon ein Diapositiv hergestellt, das man auf lichtempfindliches, mit einer Gelatineschicht überzogenes Pergamentpapier kopiert. Dabei werden die vom Licht getroffenen Stellen der Gelatineschicht gehärtet und je nach Intensität des Lichteinfalls in ihrer Dicke verändert. Danach kann die Platte im Tiefdruckverfahren gedruckt werden. Beispiele für die aktuelle Verwendung dieser Drucktechnik, oft in Kombination mit weiteren Radiertechniken sind Künstler wie Piene, Heinisch und Huber.


Holzschnitt

Der Holzschnitt ist die älteste graphische Technik. Bei dem  Hochdruckverfahren wird das Bildmotiv wird mit verschiedenen Messern ins Holz gegraben, wobei der Verlauf der Maserung die Arbeitsrichtung wesentlich bestimmt. Jene Teile, die im gedruckten Bild nicht erscheinen sollen werden aus dem Druckstock geschnitten. Die stehengebliebenen Teile erscheinen als Linien oder Flächen. Typisch für den Holzschnitt sind die kräftigen Linien und Farbkontraste.

Urformen des Holzschnitts sind Stempel, wie sie im Orient seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. und in China seit dem 8. Jahrhundert und in Europa seit 1440 in Form des Buchdrucks von Gutenberg entwickelt wurden. Insbesondere die Künstler des Expressionismus waren begeistert vom Holzschnitt; die frühesten künstlerischen Anwendungen erfolgten durch Dürer, Altdorfer und Chranach, aber auch moderne Künstler, wie Penck, Reuber und Förg haben den Holzschnitt genutzt..


Linolschnitt (Linoleum = Korkmehl, Harz und Leinöl auf Jute)

Hochdruckverfahren, bei dem aus einer Linoleumplatte das Bildmotiv z.B. mit Messer, Hohleisen, oder Stichel herausgeschnitten wird. Die Linolplatte wird wie die Holzplatte des Holzschnitts bearbeitet. Jedoch ist Linoleum billiger und weicher; es läßt sich nicht nur mit Stichel und Schneidmesser, sondern auch mit der Radiernadel und mit leichten Schneidfedern bearbeiten. Da das Material in sich homogen ist, eignet sich der Linolschnitt besonders zur Wiedergabe weich schwingender Linien.

Im Frankreich des 20. Jahrhunderts haben unter anderem Matisse und Picasso, in Deutschland Rohlfs, Gebhard, Alt, Immendorff und Lüpertz den Linolschnitt genutzt.


Lithographie (griech.: lithos = Stein)

Flachdruckverfahren, bei dem traditionell eine 10 - 15 cm starke Platte aus kohlensaurem Solnhofer Kalkschiefer als Druckform fungiert. Das Prinzip der Lithographie beruht auf der Eigenschaft von Fett und Wasser, dass sie sich gegenseitig abstoßen: die fette Stelle einer Fläche nimmt Wasser nicht an und auf einer nassen Fläche haftet kein Fett. So geht es beim lithographischen Flachdruck darum, zunächst auf der geschliffenen, gekörnten oder geglätteten Steinplatte die Zeichnung mit fetthaltigen Kreiden oder Tuschen, anzubringen. In der Folge darüber geschwemmtes Wasser wird allein von den noch freien Partien der Platte angenommen, von der fetten Zeichnung jedoch abgewiesen. Walzt man nun fette Druckerschwärze darüber, so wird diese von der Zeichnung angenommen, von den feuchten Leerstellen der Platte jedoch abgewiesen. Die dadurch auf der Zeichnung haftende Druckerfarbe wird danach einem aufgepressten Papier abgegeben. Dasselbe Verfahren lässt sich auch mit Metallplatten durchführen.

Die Lithographie wurde 1797 von Aloys Senefelder erfunden und intensiv u.a. von Toulouse-Lautrec, Chagall, Miro, Grosse, Rondinone, Fetting, Tapies, Götz, Dröscher, Erro und Stangl genutzt.


Offsetdruck (eng.: to set of = absetzen)

Ein Flachdruckverfahren in Weiterentwicklung der Lithographie. Der Druck wird zunächst auf einen mit einem Gummituch versehenen Zylinder übertragen. Dieser überträgt dann das Druckbild auf das Papier. Die Zwischenschaltung des weichen Gummituchs bewirkt sowohl die Schärfe in der Zeichnung als auch feinste Tonstufung auf harten und rauen Papieren. Der Offsetdruck eignet sich besonders für hohe Auflagen und wird meistens für Kunstdrucke benutzt, aber Künstler, wie Gerhard Richter, Polke oder Christo nehmen diese Technik auch für Grafiken.


Prägedruck

Eine Radiertechnik, die einem Hochdruckverfahren ähnelt, da die Druckplatte mit hochstehenden Teilen versehen wird, wie Stempel oder Nägel und die so erschaffende  Druckform mit großem Druck in den Druckträger (meist Papier und Karton) hineingedrückt wird. Die reliefierte Oberfläche des meist dicken und handgeschöpften Büttenpapiers erzeugt Licht- und Schattenpartien. Ein Meister des Prägedrucks ist Uecker, der Nagelköpfe und horizontal liegende Nägel für seine Bildgestaltung nutzt und in jüngster Zeit sogar Prägedrucke mit farbigen Lithographien kombiniert.


Radierung (lat.: radere = kratzen, schaben)

Ursprünglich Bezeichnung für ein im 16. Jahrhundert aus dem Kupferstich entwickeltes, der Strichätzung sehr ähnliches Tiefdruckverfahren.  Heute wird der Begriff Radierung überwiegend als Sammelbezeichnung für Druckverfahren verwendet, bei denen von Platten (aus Metall, meist Kupfer, Zink, Aluminium, hartem Kunststoff,  z.B. Acryl, PVC oder sogar Glas) gedruckt wird, in die vorher vom Künstler  das Motiv geritzt (Kaltnadelradierung) und/oder geätzt (Ätzradierung) wurde.

Eine Auflage kann mit einer Kupferplatte selten mit mehr als 30 gleichmäßigen Exemplaren gelingen; eine verstählte Kupferplatte eignet sich dagegen für über 300 fast gleichartige Abzüge. Für die Geldscheine in Millionen-Auflagenhöhe wird im Prinzip die Kaltnadelradierung verwendet auf  Basis eines reinen Stahlblocks. Bei jeder Radierungstechnik werden die Farben auf mehrere Platten verteilt und die übereinander gedruckten Farben mischen sich. Über Jahrhunderte haben die verschiedenen Radiertechniken immer wieder das Interesse der Künstler gefunden, wie z.B. Rembrandt, Rubens, Picasso, Dine, Hercks, Negenborn, Haider, König und Baselitz.


Siebdruck

Auch Durchdruck und irreführend zeitweilig aus steuerlichen Gründen in Deutschland  Serigraphie genannt, was aber im Prinzip nur der Oberbegriff für alle graphischen Techniken ist. Auf einem Sieb wird ein Bildmotiv derart festgelegt, dass diejenigen Partien durchlässig bleiben, die auf dem Druckträger (z.B. Papier) gedruckt werden sollen. Abgedeckt wird, was nicht gedruckt werden soll. Ein druckfertig präpariertes Sieb nennt man Schablone. Beim Druckvorgang wird die Farbe mit einem Rakel durch die offenen Stellen des Siebes auf den Druckträger gepresst. Für jede zu druckende Farbe muss eine separate Schablone gefertigt werden. Für eine Original-Grafik ist wesentlich, dass der Künstler die Schablonen (Siebe oder Folien) selbst anfertigt. Beim Siebdruck deckt in der Regel die oberste Farbe die unteren Farben ab; Farbmischungen sind beim Siebdruck nur in aufwendige und die Qualität mindernde rasterähnliche Auflösungen zu erreichen. Um eine große Bandbreite Farben zu erreichen, benutzen Künstler wie Mack oder Fairchild bis zu 70 Farben.

Gute Beispiele für die Anwendung des Siebdrucks zeigen die Originalgrafiken der amerikanischen Pop-Art Künstler wie Warhol, Lichtenstein, Francis und Johns sowie Szczesny, Penck, Vasarely, McLean und Heinz Mack.