Jetzt unverbindlich beraten lassen. Wir helfen Ihnen gerne weiter! 0211 672063

»Show Cases, Show Windows and Store Fronts«

Christo und Jeanne-Claude
»Show Cases, Show Windows and Store Fronts, 1963-1968« 

Die Vitrinen kennzeichnen einen entscheidenden Schritt in Christos Entwicklung. Von ihnen führte der Weg weiter zu den Ladenfronten und ganzen Bauwerken; von nun an war er nicht mehr auf präexistente Gegenstände angewiesen, sondern konnte erfundene Formen und leere Räume jeder gewünschten Größe umhüllen.

Zwischen 1964 und 1967 schuf Christo eine Reihe von architektonischen Skulpturen in Form originalgroßer Ladenfronten. Sie waren eine Weiterentwicklung der Schaukästen von 1962 und der Schaufenster von 1963. Im Gegensatz zu seiner bisherigen Arbeit kamen nun sowohl Innen- als auch Außenräume zum Einsatz. Wie die Fronten einer Filmdekoration haben seine Ladenfronten die Dimension echter Architektur, sind aber keine realen Gebäude. Das Paradox der Darbietung eines architektonischen Äußeren in einem Innenraum wird durch die rätselhaft verhängten Fenster konterkariert. Türen erlauben zwar auch eine symbolische Deutung, aber bei Christo lassen die verschlossenen Eingänge keinen Zweifel daran aufkommen, dass wir auf unserer Seite seiner Ladenfronten ausgeschlossen sind.

Die meiste Aufmerksamkeit erregen indes die verhüllten Fenster. Von jeher über Fenster auf Maler eine besondere Faszination aus, weil sie auf räumliche und zeitliche Bezüge zwischen Innen und Außen verweisen. Fenster tragen nicht nur zur formalen Komplexität bei, sondern besitzen eine psychologische Qualität, die zur symbolischen Verwendung anregt.

Bei konventionellen Ladenfronten dient die Außenfront der Präsentation des Interieurs. Bei Christos Ladenfronten sind die originalgroßen Glasfenster auf der Innenseite mit Tuch, Farbe oder Packpapier zum Teil verhüllt und verwehren so dem Betrachter oder Passanten zwar den den Einblick ins Innere, lassen ihn aber dennoch rätseln, was der beleuchtete und undeutlich sichtbare Innenraum wohl enthalten mag.

Bevor er mit dem Bau einer originalgroßen Ladenfront begann, stellte Christo grundsätzlich zunächst vorbereitende Skizzen, Collagen, Zeichnungen und maßstabgetreue Modelle her.

Christo sammelte altes Holz und ausgemusterte Teile echter Gebäude, setzte sie wieder zusammen und schuf damit eine individuelle, frei stehende Ladenfront. Die New Yorker Ladenfront besteht aus neuem Holz, einer neuen Tür und einer im Chelsea Hotel gestohlenen alten Türklinke, wo Christo während der Herstellung der Arbeit wohnte. Über der Tür prangt außerdem ein verhüllter (aber unechter) Airconditioner, wozu sich Christo durch die abgedeckten Klimaanlagen inspirieren ließ, die er bei seiner Ankunft im Winter in New York überall sah. Später nahm er die orangefarbene und die gelbe Store Front in Angriff; beide bestehen aus alten Gusseisenteilen, Paneelen und Türen, die Christo und Jeanne-Claude bei ihren nächtlichen Streifzügen über die Abrissgrundstücke in Lower Manhattan zufällig entdeckten.

Obwohl die frühesten Ladenfronten in verschiedenen Teilen der Welt zusammengesetzt wurden, unterscheiden sie sich nur wenig voneinander oder von echten Geschäften in abgelegenen Gegenden irgendwo in der Welt. Sie sind so geläufig, dass sie schon universal sind - eine Art "Allerweltsladen".

Christos Ladenfronten erfuhren 1964/65 eine "Modernisierung", als er sie zu einer für die 40er Jahre typischen "Stromlinienform" aktualisierte. Trotz des Wechsels von den den stereotypischen Formen der Jahrhundertwende zu den nicht weniger gesichtslosen eines "modernen" Stils wirkten Christos neue Ladenfronten immer noch so altmodisch wie ihre Vorgängerinnen und gemahnten mehr an einen fantasielosen Bauherrn als an einen Architekten.

Christos innerhalb von vier Jahren gebaute Ladenfronten rekapitulieren ein ganzes Jahrhundert architektonischer Alltagsstile. Dabei kommt man auf den paradoxen Gedanken, dass Christos Repliken vielleicht dauerhafter sind als ihre Vorbilder, denen mit ziemlicher Sicherheit der Abbruch droht.

Die jüngste und größte Ladenfront der Serie war die Korridor Ladenfront, 1967, mit einer Grundfläche von 139 Quadratmetern. Um die räumliche und visuelle Wirkung körperlich in ihrer ganzen Kraft zu erfahren, muss man die Korridor Ladenfront allerdings persönlich abschreiten; tatsächlich ist das Werk unvollständig ohne physische Empfindung des Betrachters, wenn er am Ende eines langen, engen Korridors auf eine Glasscheibe stößt, durch die er in einen perspektivischen Raum blickt, dessen physischer Erfahren ihm aber verwehrt bleibt. Die Korridor Ladenfront ist komplexer als die bloße Darstellung einer Idee; das Wesentliche ist die reale Existenz des Werkstoffes.

So wie wir wissen, dass sich in Christos Paketen etwas befindet, so wissen wir auch, dass hinter den flachen Ladenfronten nichts ist. Daraus folgt, dass das Verschwenden von unzugänglichem Raum noch mehr außer Fassung bringt als tatsächlich gefüllter Raum.

Kunst Wissen

Christo & Jeanne-Claude – Die Kunst des Künstlerpaares der Superlative

Christo und seine 2009 verstorbene Frau Jeanne-Claude sind fast jedem ein Begriff, und wenn irgendwo ein bedeutendes Gebäude für Bauarbeiten eingehüllt ist, wird oft gefragt: War es Christo? Dabei gehörten Gebäude-Verhüllungen bei Christo und Jeanne-Claude zu den Ausnahmen, denn außer dem Verhüllten Reichstag in Berlin (»Wrapped Reichstag«) gab es nur noch...

► Erfahren Sie hier mehr zu den Projekten, zu Christos Verbindung zu Deutschland und zu Christos Kunst als Wertanlage!

Kunst Wissen

Aufgrund unserer langjährigen Zusammenarbeit können wir ein exklusives Programm an Arbeiten von Christo anbieten.

Entdecken Sie jetzt! Originale Collagen • Limitierte Fotografien • Verhüllte Objekte • Seltene Unikate • Handsignierte Drucke

Art Store

Unsere Kunst-Empfehlungen

Red Store Front

»Red Store Front«, 3D Collage auf Siebdruck, handsigniert, nummeriert

Art Store

Store Front two Parts

»Store Front Corridor two parts«, Siebdruck, handsigniert, nummeriert

Art Store

Künstlerbiografie

Zur Vita des Künstlerpaares

Kunst Wissen

Christo, Jeanne-Claude und Fils – Kooperationspartner seit 30 Jahren

Mit Christo und seiner verstorbenen Frau Jeanne-Claude verbinden uns drei Jahrzehnte verlegerische Arbeit, Projekte, Ausstellungen, Vorträge und Reisen. Und die Liebe zur Kunst, immer verbunden mit der Freude am Leben.