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»5.600 Cubicmeter Package«

Christo und Jeanne-Claude
»5.600 Cubicmeter Package, documenta IV, Kassel 1967-1968«

Christo und Jeanne-Claudes sensationellstes Luftpaket war das 5.600 Kubikmeter Paket, eine für die Kasseler documenta 4 (1968) geschaffene Kolossalsäule aus luftgefülltem Synthetikstoff. Mit ihren 85,3 Metern Höhe erzielte die gewaltige, wurstförmige Skulptur einen neuen Rekord und war technisch das bislang ehrgeizigste Vorhaben von Christo und Jeanne-Claude.

Als die beiden 1967 zur Standortwahl nach Kassel reisten, hatten sie zwei Möglichkeiten ins Auge gefasst. Zunächst dachten sie an den Platz vor dem Museum Fridericianum, der sich insofern anbot, als das Museum die documenta beherbergte und sehr nahe am Stadtzentrum lag. Hier wäre der Ballon aus sehr großer Entfernung, nicht aber aus der Nähe sichtbar gewesen, weil die umstehenden Gebäude die Sicht versperrten. Deshalb entschieden sie sich für den zweiten, fast einen Kilometer entfernten Standort im Weiträumigen Kasseler Auepark, wo sich das Größenverhältnis zwischen Monumentalballon und Landschaft eindrucksvoll entfalten konnte.

Die Forschungsarbeiten für das Projekt begannen im November 1967 am Massachusetts Institute of Technology, wo Christo und Jeanne-Claude eng mit dem auf Mechanik spezialisierten Dimiter S. Zagoroff als technischem Berater zusammenarbeiteten. Bei einem Windfestigkeitsversuch bewies ein getreues Modell im Maßstab 1:50 im Windkanal, dass es sich entsprechend der Theorie für luftgefüllte Körper verhielt, wonach der Windwiderstand direkt proportional zum Innendruck ist. War der Winddruck höher als der Innendruck, konnte die Skulptur zwar nachgeben und sich verbiegen, doch sobald der Wind nachließ, richtete sie sich wieder auf.

Die Außenhaut des Pakets sollte aus nylonverstärktem Polyäthylen bestehen, das bei einer Firma in Sioux Falls, South Dakota, bestellt wurde, die sie aufblasfertig nach Kassel lieferte. Die äußere Haut enthielt eine kleinere Hülle aus durchsichtigem Mylar-Kunststoff, die zur Erleichterung des Aufstiegs mit Helium gefüllt werden sollte. Die abgeflachte Hülle wollte man in ein Netz aus Seilen einbinden, um ihr nach dem Aufblasen mehr Widerstandsfähigkeit zu verleihen. Den Innendruck sollte ein Zentrifugalgebläse aufrechterhalten, das von einem Elektromotor mit variabler Geschwindigkeit angetrieben wurde.

Der Fuß des Paketes ruhte in einer Stählernen Wiege, die an einer zentralen, in einem Betonfundament verankerten Stahlsäule befestigt war. Für die aufrechte Position der Skulptur sollten an vier den Ballon in unterschiedlicher Höhe umschließenden Stahlbändern befestigte Führungstaue sorgen, die in sechs Richtungen liefen und jeweils in einem eigenen Betonfundament verankert waren.

Im April 1968 reisten Christo und Jeanne-Claude ein zweites Mal nach Kassel, um das Gießen der Betonfundamente zu überwachen und sich mit verschiedenen Subunternehmern abzusprechen. Mitte Mai reiste ihr technischer Berater Zagoroff an und blieb fast drei Monate vor Ort. Das zentrale Fundament musste drei Meter tief reichen, weil der Wind das 85,3 Meter hohe Paket sonst umwerfen und als bedrohlichen Riesenballon über die Wiese jagen konnte. In fünf Tage wurden insgesamt 180 Tonnen Betonfundamente gegossen.

Der erste Versuch startete am 24. Juni, einem verregneten Montagmorgen. Der Regen entwickelte sich zu einem Sturm, und plötzlich riss die sich seit drei Stunden mit Helium und Luft füllende Polyäthylenhaut über drei Meter Länge auf. Der schimmernde Koloss, der sich nur zehn Minuten in der Luft gehalten hatte, segelte langsam zur Erde und sank mit dem majestätischen Zucken eines sterbenden Wals in sich zusammen. Ein gefundenes Fressen für die deutschen Medien, die der Katastrophe riesige Schlagzeilen, ganzseitige Fotos und stündliche Reportagen widmeten.

Der Riss wurde repariert, und am 26. Juni unternahm man einen zweiten Versuch. Diesmal stand der Ballon zehn Minuten lang aufrecht, aber dann bekam die Haut einen langen Riss an der Basis. Wieder stürzte der Ballon zu Boden.

Nach dem zweiten Fehlschlag wurde die angeblich "verstärkte" Polyäthylen-Hülle zu Abfall erklärt und eine neue Haut bestellt. Diese bestand aus einem synthetischen Gewebe namens Trevira, einem in Westdeutschland hergestellten Polyester-Fasermaterial, das mit einer Lösung aus Polyvinylchlorid (besser als "PVC" bekannt) eingesprüht wurde, einem wärmeisolierenden, wasser-, säure- und alkalibeständigen Kunststoffpolymer.

Nur zwei Kräne kamen zum Einsatz; der eine, der 42,7 Meter hoch war, stand nahe der Wiege und hielt die Ballonmitte fest, der andere, 21,3 Meter hohe befand sich auf der anderen Seite und versuchte, die Nase des Ballons so weit anzuheben, dass eine 45-Grad-Neigung erreicht wurde, von der aus der höhere Kran dann die Aufrichtung vollenden konnte. Aber die beiden Kräne waren der Aufgabe nicht gewachsen und verursachten einen 10 Meter langen Riss in der unteren Ballonhälfte.

Am 3. August konnte der Koloss dann endlich mit Hilfe von fünf Kränen aufgerichtet werden, von denen zwei 70,1 Meter hoch waren und je 200 Tonnen wogen. Diese beiden Riesenkräne, die höchsten in ganz Europa, waren separat in Nordfrankreich und in Hamburg im Einsatz gewesen, so dass allein die Organisation ihrer gleichzeitigen Ankunft in Kassel zwei Wochen Vorbereitung erforderte.

Die drei fehlgeschlagenen Aufrichtungsversuche sorgten in der Kasseler Kunstszene für einiges hämisches Gelächter, Christo und Jeanne-Claude kriegten ihr "Würstchen nicht hoch". Doch als der luftgefüllte Ballon dann endlich stand und von den Führungstauen in Position gehalten wurde, errang das 5.600 Kubikmeter Paket weitreichende Bedeutung.

War das 5.600 Kubikmeter Paket zunächst auch Anlass für manch zweideutige Kommentare, so konnten Christo und Jeanne-Claude jetzt zumindest behaupten, dass es gesellschaftlich befreiend wirkte, denn zahllose Menschen tummelten sich stundenlang zufrieden in seiner Nähe.

Der Erfolg des Kasseler Luftpakets lieferte den Beweis, dass die unternehmerischen Fähigkeiten von Christo und Jeanne-Claude dem Format ihrer Skulptur durchaus gewachsen waren. Dank der Eigenfinanzierung der technischen Forschung behielten sie die absolute Kontrolle über das Projekt und konnten erreichen, dass sich der technische Aspekt ganz ihrem ursprünglichen Konzept unterordnete. Sie delegierten zwar gewisse Vollmachten an Ingenieure und Subunternehmer, blieben aber letzten Endes verantwortlich für sämtliche gestalterischen und technischen Entscheidungen. Trotz der Kostspieligkeit des Projekts übernahmen Christo und Jeanne-Claude die gesamte finanzielle Verantwortung. Dabei legten sie eine Fähigkeit zur Geldbeschaffung an den Tag, die bis heute viele Menschen erstaunt und vielen Künstlern die Sprache verschlägt. Das Geld für das 5.600 Kubikmeter Paket aufzubringen erwies sich als fast so schwierig wie die tatsächliche Aufrichtung des Ballons.

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